Letztes Wochenende

Marge hat in diesem Sommer in einer Kleinstadt an der bayerisch-tschechischen Grenze ihr Abitur gemacht. Doch sie empfindet den Ort, an dem sie lebt, als Einschränkung. Ebenso wie ihren Skinhead-Freund mit seinen antiquierten überzeugungen. Sie hört die Uhr ticken, ihre Jugend vergehen. Ihr Mantra "nach Berlin, nach Berlin!" steht für die unerfüllbare Sehnsucht nach einem besseren Leben. Derweil flüchtet Marge von Rausch zu Rausch - weg von der Langeweile. Der fränkische Landstrich ist verhaftet in einer langen Tradition des protestantischen Armenhauses Bayerns. Auch die seit langem geöffneten Grenzen sind noch nicht ¨berwunden. Das weniger reglementierte Nachbarland Tschechien wird als ein Abenteuerspielplatz für Erwachsene genutzt. Roman baut neben einem Motocrossplatz für die Deutschen sein Baumhaus. Wie Peter Pan im Nimmerland schaut er den Erwachsenen bei deren Spielen zu. Ein Teil von Romans Gegenwelt ist auch die Droge Crystal Meth. Roman wurde einmal das Herz gebrochen, seitdem lebt er von dem, was er finden kann. Aus einer verlassenen Fabrik, die als illegale Cockerspaniel-Zucht und Altkleider-Depot dient, holt er sich das Nötigste zum überleben. Auch ein paar Kabel, die der "Naturdoktor" zusammen mit dem Häuptling der Waldgemeinschaft, einem erfahrenen Schmuggler, in der Nacht verbrennt. Sie können ein wenig Geld machen mit dem gewonnenen Kupfer, das sich dank der momentanen Weltmarktpreise gut verkaufen lässt. Das globale Ganze, eine neuen Weltordnung, spiegelt sich in der kleinen, rätselhaften Welt des Frankengrenzlands.

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